Neue Wege gehen

Manchmal stellt einen das Leben vor vollendete Tatsachen. Einfach so, ohne Vorwarnung wird dann alles, was bisher ruhig vor sich hinfloss, auf den Kopf gestellt. Nicht selten muss dann eine komplett neue Planung her und das gerne schnell.

Schon einige Male warf das Schicksal bei mir alles durcheinander. Da war meine Erkrankung, die mich plötzlich dazu zwang, alles erheblich ruhiger und anders als vorher anzugehen. Einige meiner Chefs entschieden sich, dass wir plötzlich nicht mehr zusammen passten oder die Firma aus anderen Gründen in Zukunft lieber ohne mich auskommen würde. Auch Lebenspartner verabschieden sich meist sehr plötzlich aus dem gemeinsamen Leben (okay, hier könnte man die Anzeichen vielleicht schon längere Zeit vorher wahrnehmen, wenn man denn wollte…).

Und jetzt ist es wieder soweit. Gerade haben wir uns halbwegs von dem finanziellen Desaster des letzten halben Jahres erholt und es fing an, richtig gut zu laufen. Da überlegt mein Chef – für den ich nun seit zwei Jahren freiberuflich im Homeoffice das Büro “schmeiße” – sich, er könne mich leider nicht weiter beschäftigen. Worte wie Scheinselbständigkeit, Buchprüfung usw. fallen in dem Gespräch. Ungern würde er mich ziehen lassen, doch es ginge leider nicht anders. Ich bin ihm nicht böse, kann ihn vollkommen verstehen. Doch, das macht die Sache leider nicht besser. Der Schock saß erst einmal tief. Wieder mal stellte sich mir als erstes die Frage, wie soll es denn nun weitergehen. Mein Mann kann für unabsehbare Zeit keinen Job annehmen. Sein Fuß heilt zwar langsam, aber arbeiten ist nicht möglich. Und nur mit meiner EU-Rente und seinem Krankengeld wird es doch ziemlich knapp.

Sicherlich habe ich noch einige freiberufliche Einnahmequellen. Aber, die sind eben nicht so planbar, wie feste 12 Stunden in der Woche. Im ersten Moment fühlte ich mich, als würde mir jemand den Boden unter den Füßen wegziehen. Ich haderte mit der Situation und mein Verstand forderte vehement danach, den Kopf in den Sand zu stecken. Einige Tage kreisten meine Gedanken um den nun wohl bevorstehenden finanziellen Supergau und ich waren nicht fähig, konstruktiv an die Sache heranzugehen.

Doch dann kam sie wieder, meine alte Zuversicht, dass eine Tür sich schließt und eine andere (im besten Fall sogar zwei oder drei) sich dafür öffnen. Ich bin ein Mensch, der immer Plan B, C oder sogar D in der Tasche hat. Nicht vollständig zu Ende geplant, aber immerhin als Idee. Lösungsorientiert nannten mich meine Chefs immer. Und ja, das bin ich. Denn, was bringt es, sich um Dinge zu grämen, die man nicht ändern kann. Hinzu kommt mein buddhistischer Glaube, der mir genau das sagt: “Schließe Vergangenes ab, dann wird sich Dir Neues eröffnen.” (Da sind sie wieder die Türen…)

Ich besann mich also darauf, was ich eigentlich schon seit Längerem tun wollte. Und das ist ganz klar SCHREIBEN. Endlich meine Bücher zu Ende bringen und (mit etwas Glück) veröffentlichen. Mehr Texte, mehr Kurzgeschichten, mehr Ghostwriting. Egal was, Hauptsache es hat mit Schreiben zu tun. Dazu fehlte mir eindeutig die Zeit bei festen 12 Wochenstunden am Telefon und Computer.

Ich schaute mich also gezielt auf diversen Internetplattformen um und fand auf Anhieb zwei Anfragen, die passten. Bingo, dann soll es wohl so sein, das Schicksal zeigt mir einen neuen Weg. So ganz kann ich mich von meinem Sicherheitsdenken allerdings noch nicht verabschieden und werde auch wieder Transkriptionsaufträge annehmen. Damit ich wenigstens das Gefühl einer sicheren Einnahmequelle habe. Aber mein Hauptaugenmerk liegt ab jetzt auf dem Schreiben.

3 comments / Add your comment below

  1. Das Leben ist leider nicht immer planbar egal ob angestellt oder freiberuflich…und ja, das mit den Türen stimmt…es findet sich immer eine die genau dann aufgeht wenn sich eine andere geschlossen hat und irgendeinen Plan sollte man auch immer in der Schublade haben, bei mir hat sich das in 28 Jahren freiberuflicher Arbeit jedenfalls bewährt…

    Lieben Gruß…Du kriegst das schon hin… 😉

  2. Liebe Heike, ein schöner Post. Ich bin davon überzeugt dass Du die Situationen meistern wirst. Wir haben eine ähnlich Geschichte und ich würde mich freuen mich mit Dir auszutauschen. Schreiben ist ein einsameer Job und manchmal hilft es mit Gleichgesinnten zu reden. Du kannst mich kontaktieren unte autor.saskia@t-online.de. Würde mich freuen.

    Liebe Grüße aus dem Chiemgau,
    Saskia

  3. Liebe Heike,

    oftmals ist das Leben unvorhersehbar. Ich kenne es nur zu gut. Was ich sehr schön finde, ist die Tatsache, dass Du Dich von einzelnen Gegebenheiten nicht unerkriegen läßt. Egal, was auch passiert… den Blick nach vorne richten, auch wenn es manches Mal schwer fällt.

    Ich bin aber zuversichtlich, dass Du auch diese Situation meistern wirst.

    Ganz liebe Grüße
    André

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